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  • Elefanten leben in matriarchischen Familienverbänden
  • Männliche Jungtiere verlassen die Familie
  • Elefanten fressen 16 Stunden und mehr am Tag


In der Familie leben miteinander verwandte weibliche Tiere mit ihren Kälbern. Die weiblichen Kälber bleiben ein Leben lang in der Familie, in der sie geboren wurden. Die Bindung zwischen Elefantenkühen und ihren weiblichen Kälbern gehört zu den beständigsten im Tierreich. Der Familienverband wird von einer älteren weiblichen Elefantenkühe, der Matriarchin, geführt.

Familiengruppe werden der Aufrecherhaltung der Hands-on-Haltung geopfert

Historisch bedingt leben heute in fast allen Zoos der Welt zusammengewürfelte Gruppen bestehend aus nicht miteinander verwandten weiblichen Tieren. Fremde Elefantenkühe aneinander zu gewöhnen, ist immer ein Risiko. Vertragen sich die Tiere oder nicht. Kommen sie in jungen Jahren in einer solche Gruppe zusammen, können sie sich dort durchaus friedlich miteinander leben. Bei älteren Tieren verläuft das Zusammengewöhnen nicht immer so harmonisch ab.

Seit 1980 wurden verstärkt Elefantenbullen importiert und dann auch so gehalten, das sie die Geschlechtsreife erreichen (siehe auch Bullenhaltung). Seitdem wurden in Deutschland aber nur in 6 Zoos - Tierpark Hagenbeck Hamburg 7 (2,5), Tierpark Berlin Friedrichsfelde 4 (1,3), Allwetterzoo Münster 1 (1,0), Zoo Berlin 1 (1,0), Zoo Leipzig 1 (1,0) und Zoo Hannover 2 (0,2) - insgesamt 16 (6,10) Elefantenkälber lebend geboren. Derzeit sind davon noch 12 (3,9) am Leben.

Von den vier weiblichen Jungtieren (Tierpark Hagenbeck: 3, Tierpark Berlin: 1) die bis 2000 geborenen wurden, leben nur noch Salvana (Tierpark Hagenbeck) und Matibi (Tierpark Berlin) bei ihren Müttern. Die beiden anderen Kälber Ratna und Corny (beide geboren im Tierpark Hagenbeck und derzeit im Allwetterzoo Münster) wurden jeweils mit der Geburt des nächsten Kalbs der Mutter abgegeben. Die Zukunft wird zeigen, was mit den Savlana und Matibi geschieht. Ihre Mütter haben bisher noch kein zweites Kalb zur Welt gebracht.Elefanten werden in andere Zoos umgesetzt, weil sie:

dort von einem nicht mit ihnen blutsverwandten Bullen gedeckt werden sollen.

Das begründet nicht die Umsetzung der Kuhkälber, sondern ist nur eine Ausrede zur Verschleierung des wahren Grundes. So wie in der Natur die Bullen von Familie zu Familie wandern, könnten die Zoos statt der Elefantenkühe auch die Bullen auf Reisen schicken.

sich nicht oder nicht mehr mit den anderen Elefanten vertragen.

Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Zoogruppen aus einander eigentlich fremden Elefanten ist das der einzig akzeptable Grund für die Umsetzung weiblicher Tiere. Die Umsetzung sollte aber nur in Gruppen erfolgen und zwischen den Tieren der Gruppe sollten, wenn vorhanden, Bindungen bestehen.

für die Pfleger gefährlich geworden sind.

Durch Umsetzung versucht man ihnen wieder „gehorsam“ beizubringen. Sie werden in eine andere Gruppe gebracht, um sie dort von den alteingesessenen Elefanten „disziplinieren“ zu lassen. Dieser Plan geht auch oft auf. Und das ist der eigentliche Grund für Elefantenumsetzungen in Deutschland.

Elefanten haben eine starke soziale Bindung zu ihrer Familie, die sie aber auch zu den anderen Gruppenmitgliedern und sogar zu Menschen aufbauen können. Jede Umsetzung bedeutet Stress für die umgesetzten, aber auch für die anderen Tiere der alten und die neuen Gruppe. Man rechnet mit einem nachhaltiger Schock für die umgesetzten Elefanten, der sie verunsichern. Zwischen fremden Elefanten müssen sie sich behaupten  und sich in der neuen Gruppen einen Platz zu erobern. Damit wird nicht selten sowohl die alte als auch die neue Gruppe gespaltet. Zumeist die jüngeren Tiere, zugereiste wie alteingesessene, suchen Kontakt. Jungtiere werden auch oft von ältere Kühe adoptiert und beschützt. Andere Neuankömmling werden in einer Gruppe von den anderen Artgenossen abgelehnt. Teilweise werden dabei blutige Kämpfe ausgetragen. Das Ergebnis kann unterschiedlich sein.

Einige werden zu Außenseiter und ergeben sich in ihre Situation. Sie stehen isoliert in sicheren Abstand zu den anderen Tieren. Der einzige, der weiterhin nett zu ihnen ist, ist der Mensch. Solche Elefanten sind dann zwar sozial isoliert, durch den Menschen aber leichter beherrschbar. Viele von Ihnen fallen durch Stereotype Bewegungen (weben) auf.

Andere bauen neue soziale Bindungen auf. Elefantenpfleger sprechen auch von Zweckfreundschaften, da sich diese Bindungen beim nächsten Zu- oder Abgang, ob durch Tod oder erneute Tierumsetzung immer wieder ändern.

Und wieder Andere werden auch zu Außenseitern, durchleben in den neuen Gruppe die Hölle und haben aber soviel innere Kraft, ihre Würde zu bewahren. Sie geben nicht auf und wehren sich gegen Elefant und Mensch. Früher oder später werden sie einen massiven Angriff auf einen Pfleger starten, der nicht selten für den Pfleger tödlich endet. Auch für solche Tiere findet sich immer wieder eine weiterer Zoo mit Elefantenpfleger die meinen, dass sie es besser können. Nächster Versuch im nächsten Zoo. In der Vergangenheit stand das am Ende dann immer der Tod des Elefanten. Heute ist es die Abgabe in einen ausländischen Zoo (z.B. Spanien oder Israel), der die Tiere wirklich ohne direkten Kontakt hält.

In Deutschland lautet die Devise bisher: Kommt der Tierpfleger mit dem Elefanten nicht mehr klar, kommt der Elefant in einen anderen Zoo. Die Haltungsbedingungen in den abgebenden Zoos werden jedoch nicht geändert. Eine Änderungen des Haltungskonzept wird nicht mal langfristig angestrebt. Zusätzlich zur oder gerade wegen der fehlenden verwandtschaftlichen Bindungen werden die Tiere nachts in Boxen gestellt oder in Ketten gelegt. Diese zusätzlich Isolation der Tiere entfremdet sie noch weiter voneinander. Selbst Zoos, die eine Innenanlage haben, stellen die Tiere Nachts in Boxen. Die beliebtesten Begründungen für die Haltung der Tiere in Boxen, die Trennung der Gruppe in der Außenanlage oder gar die Kettenhaltung sind:

  • Die Häuser sind zu klein, die Tiere können sich nicht aus dem Weg gehen.

Kein Gehege ob innen oder außen kann so groß sein, das sich Tiere, die sich nicht vertragen, aus dem Weg gehen können. Andererseits habe ich die Rotterdamer Elefanten schon alle gemeinsam in zwei Boxen stehen sehen. Platz ist in der kleinsten Hütte, wenn man sich versteht.

  • Die Tier stehen ja nur nachts in den Boxen.

Im Winter dauert die „Nacht“ in so manchem Zoo von 15.00 bis 9.00 Uhr, also 18 Stunden.

  • Die Tiere sollen in Ruhe ihre Futterration fressen können.

Das Ausschalten von Nahrungskonkurrenten bedeute aber auch mehr Langeweile, denn jede Störung und jeder Wechsel des Futterplatzes braucht Zeit.

  • Jeder soll seine Futterration bekommen und nicht einen Teil an das ranghöhere Tier verlieren.

Eine Rangordnung ist in der Natur immer eine Fressordnung. Wer im Rang höher steht bekommt das bessere Futter. Auch eine Ketten- oder Boxenhaltung kann das nicht unterbinden. Selbst angekettete Elefanten schaffen es immer wieder vom Nachbarn Futter zu klauen. Um das zu verhindern, müsste man die Tiere hinter Mauern stellen und auch nach vorne nur eine kleine Luke lassen, da sie sonst auch noch mit dem Rüssel um die Ecke langen.

  • Die Tier können sich doch über die Gitter berühren.

Ja, aber nur wenn beide wollen. Die meisten Tiere gehen aber sowieso nur zum Futter klauen ans Gitter.

Versuche von Gruppenhaltung von einander eigentlich fremden Elefanten gibt es u.a. in Osnabrück, Erfurt (nur Safari, Csami und Seronga), in Berlin (Zoo), Basel und Zürich. Ob es gelingt oder nicht liegt sicher auch mit an den Tieren. Manchmal sind aber auch Elefantenpfleger oder die Vorgesetzten zu ängstlich. Gräben und andere Elefantenfallen wurden von Menschen für Elefanten gebaut und nun haben diese Menschen Angst, das die Tiere bei einer Rangelei um Futter hineinfallen könnten und stellt sie deshalb in Boxen. Ist das wirklich Sorge um das Tier?

Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entschieden sich die niederländischen Zoos in Rotterdam (Diergaarde Blijdorp) und Emmen (damals Noorder Dierenpark, heute Dierenpark Emmen), als erste Zoos weltweit, in ihren Elefantenanlagen eine Familiengruppen wachsen zu lassen.

Nachdem im Diergaarde Blijdorp mit der am 16.06.1984 geborenen Bernadine noch nach der alten Methode verfuhr und sie im Alter von 16 Monaten zur "Erziehung" in den Zoo Krefeld schickte, sollte Irmas nächstes Kalb Yasmin (geb. 1990) 16 Jahre in Rotterdam bleiben und dort ihr erstes Kalb im Beisein ihrer Mutter zur Welt bringen. Auch Bernadine kehrte nach Rotterdam zurück und brachte dort ein Kalb zur Welt. Bis Juli 2003 wurden in Rotterdam insgesamt sechs weibliche Kälber geboren.Im Jahr 2003 lebte dort mit der 1970 im Zoo Kopenhagen geborene Elefantenkuh Irma, ihren Kindern und Enkelkindern sowie der "Adoptivtochter" Douanita, die erste echte Elefantenfamilie im Menschenhand.

Leider wurden Irmas erwachsene Töchter Bernadine und Yasmin gemeinsam mit Yasmins Kalb Anak im Herbst 2006 an den Zoo Dublin abgegeben und damit die Familie auseinandergerissen. Als offizieller Grund wurde Platzmangel angegeben. Man ist damit aber auch das Problemtier Bernadine los geworden, das im direkten Kontakt nicht gefahrlos gehalten werden kann, anstelle die Haltungsform zu ändern.
Im Jahr 2010 besteht nun die Familie aus den beiden erwachsenen Kühen Irma und Douanita, der fast zehnjährigen Banga und den beiden Kälbern Douanitas Trong Nhi (geb. 2003) und Tonya (geb. 2009). Eine Anlage, die nicht mehr als zwei erwachsene Kühe und ihre Kälber zulässt (wenn das wirklich der Grund für die Abgabe war), ist für die Zucht aber definitiv zu klein.

Die größte Elefantenfamilie lebt inzwischen im Dierenpark Emmen (Niederlande). Seit der Geburt des ersten Elefantenkalbes im Jahr 1992 wurde kein dort geborenes weibliches Jungtier abgegeben. Inzwischen (2010) ist die Familie von Htoo Kin Aye aus neun Elefanten, darunter vier weiblichen Tieren, angewachsen. Eine andere Familie besteht aus drei Tieren.

MutterKindGeschlechtgeb. amEnkelkindGeschlechtgeb. am
Htoo Kin AyeMingalor Oo    w01.03.1992 Myo Set Kaung m08.08.2005
Yoe Ma m04.09.2008 
Ma Yay Yee w02.05.1999 Ein She Min m23.05.2009
Ne Win m06.06.2005
Swe Zin w08.08.2007      
Einga Tha m09.03.2010      
Htoo Yin Aye Ma Palai w08.03.1998
Anandam25.04.2008
Swe San Htay (gest am 17.02.2010)Unt Bwe m23.05.2006

Insgesamt haben dort 21 Jungtiere das Licht der Welt erblickt, von denen jedoch nur vier Kuhkälber waren.

Im Oktober 2009 wurde ich von einem anderen elefanteninteressierten Laien gefragt, ob ich denn der Meinung wäre, dass meine Internetseite die Entwicklung in den Elefantenhaltungen beeinflusst hat? Stimmlage und Haltung sagten mir, dass seine Frage Ironie, wenn nicht sogar Beleidigung sein sollte. Beantworten kann ich die Frage nicht. Betrachtet man aber die Veränderungen in den letzten Jahren, ist in immer mehr Zoos eine Wende zur Familienhaltung zu erkennen:

Der Kölner Zoo hat sich mit der Einweihung seiner neuen Elefantenanlage im September 2004 zur Familienhaltung bekannt. Inzwischen wurden dort vier Kälber geboren, das Älteste im Jahr 2006.

Der Tierpark Hagenbeck erklärte inzwischen (u.a. 10/2008), die weiblichen Jungtiere, beginnend mit Kandy in der Anlage zu behalten und eine Familie wachsen zu lassen. Im Jahr 2006 wurde eine Kuh gemeinsam mit ihrer Tochter in den Zoo Leipzig umgesetzt. Geplant war zwar die Rückführung der Tochter Salvana nach Hamburg, nachdem sie gedeckt wurde. Nach vier Jahren lebt sie aber immer noch dort. Vielleicht bleibt das ja auch so.

Im Zoo Hannover sind derzeit alle infrage kommenden weiblichen Tiere, inklusive der 2003 geborenen Kälber Califa und Farina trächtig. Die beiden zoogeborenen Jungtiere konnten bereits Erfahrungen bei der  Betreuung von Farinas Geschwistern sammeln.

Das 2005 geborene Kuhkalb Shaina Pali (Mutter Pang Pha) lebt noch gemeinsam mit ihr und der 2009 geborenen Schwester Ko Raya im Zoo Berlin.

Schon 2001 zog der Direktor im Zoo Zürich in Erwägung, nicht weiter die Gruppe durch die Aufnahme fremder Elefanten zu belasten, sondern besser die weiblichen Jungtiere im Zoo Zürich zu behalten. Nun steht der Neubau der Anlage bevor. Der Thüringer Zoopark in Erfurt plant den dringend notwendigen Neubau seiner Elefantenanlage so, dass eine moderne Elefantenhaltung betrieben werden kann, in der die weiblichen Jungtiere in der Anlage bleiben und die Bullen ausgetauscht werden. Es wird Platz für sechs erwachsene Kühe und deren Nachkommen sowie zwei Bullen geben.

Hier sind nur die Zuchtzoos erwähnt, die ich besucht habe und in denen mehr als ein Jungtier geboren wurde.

Übrig bleiben nur wenige "Hardliner" unter den Zuchtzoos, wie z. B. der Tierpark Berlin Friedrichsfelde. Die Liste der an andere Zoos abgegebenen weiblichen Jungtiere ist lang:

NameMutterGeschlechtgeboren amabgegeben amabgegeben an
Matibi Bibi w 25.01.1999 14.08.2006 Zoo Osnabrück
Tana Pori w 04.05.2001 17.07.2008 Bergzoo Halle
TemiKewa w 02.11.2001 28.10.2006 Tierpark München Hellabrunn
CyntiCynthia w 03.04.2005 31.08.2009 Zoo Rostov
Tutume Sabah m 09.04.1999 28.04.2003 Zoo Osnabrück
Horas Nova m 14.02.2005 31.08.2009 Zoo Rostov
Yoma Kewa m 08.05.2005 31.08.2009 Zoo Rostov
Panya Bibi w 22.08.2007 21.11.2008 Bergzoo Halle

Zoodirektor Blaszkiewitz sagte es der Deutschen Welle: "Der Zoo ist Surrogat (lt. Word: Ersatz, Abklatsch, Aushilfe) und nicht Imitat, der Zoo ist für den Menschen da, der Mensch hat ihn sich in seine urbane Umwelt geholt um Tiere und um natürliche Räume (was sind für Elefanten natürliche Räume?) zu sehen. Und da kommt es nun nicht auf eine völlige Kopie an, sondern dass die Funktion erfüllt wird." Und Funktion der Elefantenbabys ist es in seinen Augen wohl, die Besucher anzulocken. Und wenn sie nicht mehr das niedliche Baby sind, werden sie abgeschoben.

Nur Panya hatte dabei das Glück, mit ihrer Mutter Bibi nach Halle umgesetzt zu werden. Nur ist dieser Glücksumstand für Bibi aus einem anderen Grund die Hölle. Bei den afrikanischen Elefanten gab es in der Vergangenheit zwei verfeindete sich bekämpfende Gruppen. In Halle ist jetzt nicht etwa eine dieser Gruppen. Nein, Dr. Blaszkiewitz schickte aus jeder Gruppe eine erwachsene Kuh nach Halle und dabei Bibi, die schwächste Kuh aus der stärkeren Gruppe, für die das Zusammenleben mit Mafuta ständiger sich in starkem Weben äußernder Stress ist.

 Im Zoo Osnabrück als auch im Zoo Rostov soll man wohl außerdem seiner Meinung nach eine Zucht mit Halbgeschwistern beginnen. Wenn ich richtig informiert bin, haben die Artkoordinatoren hier kein Mitspracherecht, da der Tierpark nicht an den Europäischen Zuchtprogramm teilnimmt.

Das eine EU-Richtlinie eine verhaltensgerechte Tierhaltung vorschreibt, zu der auch das entsprechende Sozialsystem gehört, ist ihm egal. Er kann sich als Direktor der beiden Tiergärten der Hauptstadt darüber hinwegsetzen und kein Vorgesetzter, kein Politiker nimmt davon Notiz oder weist ihn gar in die Schranken. Armer Tierpark Berlin Friedrichsfelde. Arme Elefanten, die dort noch geboren werden. Derzeit leben im Tierpark noch vier:

NameMutterGeschlechtgeboren am
Kariba Sabah w 17.03.2006
Kando Pori m 20.05.2007
Thuza Kewa w 13.12.2008
Dimas Cynthia m 15.03.2010


Jungbullen werden mit Eintreten der Geschlechtsreife, also im Alter von 12 bis 15 Jahren, aus der Familie vertrieben. Zuerst begleiten die Gruppe im respektablem Abstand. Aus eigenem Antrieb aber auch durch entschiedenes Nachhelfen der Leitkuh wird die Distanz zur Familie immer größer.

Treffen sie andere Jungbullen, bilden sie mit denen Junggesellengruppen. Manche Jungbullen schließen sich auch älteren Bullen an. Nur ältere Bullen leben auch gelegentlich als Einzelgfänger.

Die jungen Bullen versuchen immer mal wieder eine Elefantenkuh zu decken. Erst in Alter von ca.25 Jahren kommen Bullen in Musth und ihre Chancen, Nachkommen zu zeugen, steigen. Weite Wanderungen der Elefantenfamilien und der Bullen sorgen dafür, das sie immer wieder auf andere Elefantenkühe treffen. Das sprichwörtlich gute Gedächtnis der Elefanten verhindert wohl auch, dass sie die Kühe ihrer Geburtsfamilie decken.

Die seit Beginn der 80er Jahre importierten Bullenkälber kamen im Alter von 1 bis 5 Jahren in die Zoos, in denen sie jetzt noch leben (Opelzoo Krohnberg, Safaripark Hodenhagen, Tierpark Berlin Friedrichsfelde, Tierpark München Hellabrunn, Zoo Duisburg, Zoo Leipzig, Zoo Wuppertal). Auch zoogeborene Bullenkälber werden bereit mit 2 bis 4 Jahren an den Zoo abgegeben, in dem sie dann als Zuchtbulle leben sollen.

Als Jungtier werden diese Bullenkälber von Kühen adoptiert. Sind sie dann geschlechtsreif, versuchen die Kühe, wie in der Natur üblich, die Bullen aus der Gruppe zu vertreiben. Andauernde Kämpfe zwischen den älteren Kühen und dem Bullen führen zur Isolation einzelner Tiere (Boxenhaltung, anketten) besonders während der Winterzeit. Außerdem passiert es nicht selten, das sich die Elefantenkühe von dem Bullen, mit dem sie aufgewachsen sind, nicht decken lassen. Erneute Umsetzungen von weiblichen Tieren sind die Folge. Hier hält der Allwetterzoo Münster einen traurigen Rekord von 12 Zu- bzw. Abgänge in der Kuhgruppe in letzten zehn Jahren. Hier leben auch der Elefantenbulle Chamundi und die Elefantenkuh Ratna (beide geboren im Tierpark Hagenbeck in Hamburg). Die beiden zwar nicht miteinander verwandt, aber miteinander aufgewachsen. Wie man aus Münster hört, lässt sich Ratna von Chamundi nicht decken. Selbst manche Zoologen vermuten hier einen natürlichen Schutz vor Inzucht. Nun wurde Chamundis Halbschwester Corny zur Zucht nach Münster geholt. Beide haben zwar die selbe Mutter, aber nur gute vier Monate miteinander in Hamburg gelebt. Hofft man hier auf mehr Erfolg. Mit der soviel beanspruchten Erhaltung der genetischen Vielfalt hat das aber wohl nicht viel zu tun. Es ist aber ein weiterer beweis dafür, das widernatürliche Haltung immer wieder neue Probleme aufwirft.

Wieso verfahren Zoos aber weiterhin mit den Jungbullen auf diese Weise? Dahinter steckt auch hier der Versuch, den Elefanten durch frühzeitige Trennung von der Familie zu verunsichern und ihn gehorsam zu halten. Kleine Elefanten kann man noch den Elefantenkacken spüren lassen und sie damit im Kräftemessen stoppen. Damit flößt man ihnen Respekt vor dem Menschen ein, der u.U. ein Leben lang anhält. Wenn die Bullen in ihrer Kindheit den Elefantenhacken spüren, haben nach Jahrzehnten noch Angst vor dem Hacken und dem der ihn führte. Deshalb weigern sich dann diese Elefantenpfleger auch hartnäckig, ihren Bullen an einen anderen Zoo weiter zugeben, wenn dessen Töchter selbst Kälber bekommen können. Sie schicken dann lieber, wider der Natur, die Töchter auf reisen. Diese Weigerung hat dann wiederum Auswirkungen auf die Zoos, die neue Wege beschreiten wollen. Mit wem sollen diese Zoos den dann den Bullen tauschen tauschen? (siehe auch Aktuelles/Das Jahr 2003/Naing Thain zieht nach Prag)

Bei einen mehr als 2 Tonnen schweren und über 2 Meter großen 7 jährigen Bullen muss die Gewalt durch Einfallsreichtum ersetzt werden. Dieser Herausforderung wollen sich nur wenige Zoos und ihre Elefantenpfleger stellen.

Der Zoo Berlin versucht es. Elefantenbulle Victor (geb. 23.10.1993 im Zoo Ramat Gan in Israel) kam mit sieben Jahren in den Berliner Zoo, in dem er heute und auch künftig als Zuchtbulle leben wird. Er musste vorher noch nie Kommandos befolgen, da die Elefanten in Ramat Gan ohne Kontakt zu den Pflegern gehalten werden. In Berlin müsste er durch das Gitter oder über den Graben zu Handlungen bewegt werden, die sich sein Pfleger für seine Betreuung braucht. Er hat sie gelernt. Der Zoo Leipzig will versuchen, den dort am 05.04.2002 geborenem Voi Nam bis zu einem Alter von 10 bis 12 Jahren in Leipzig zu behalten. Er soll dann, wenn nötig in einer der drei Boxen im Bullenhaus untergebracht werden. Ob er dann in die auf Anregung der Artkommissionen für asiatisch bzw. afrikanische Elefanten entstandene Jungbullegruppe eingestellt wird, ist noch offen. Der spanische Zoo Safaripark Reserva Natural el Castillode in der Nähe von Sevillia hat sich bereit erklärt, diese Gruppe für asiatische Elefanten aufzubauen. Derzeit leben dort 3Jungbullen aus Emmen, die im Alter von 4 bis 5 Jahren dorthin umgesetzt wurden. Eigentlich ist die Trennung des Elefantenkalb von der Mutter mit 4 Jahren noch viel zu früh. Aber viel zu kleine Außen- und Innenanlagen geben Jungbullen bei ernsthaften Auseinandersetzungen mit Kühen wenig Möglichkeiten sich weit genug zurückzuziehen. Erbitterte Kämpfe mit evt. tödlichem Ausgang könnten die Folge sein. Auch kann man einen über 2 Meter großen und über eine Tonne schweren Jungbullen nicht von heute auf morgen abgetrennt von den anderen Tieren unterbringen. Dazu sind in keinem Zoo gesonderte Gehege mit den für Elefanten nötigen Sicherheitsstandards vorhanden. Also geht das Bullenkalb zeitiger als eigentlich nötig auf reisen. Man wird in den kommenden Jahren Erfahrungen sammeln und ein optimales Alter für die Umsetzung finden müssen.


Während Fleischfresser nahezu 75 % des Tage ruhen, braucht der Pflanzenfresser Elefant in seiner natürlichen Umgebung diese Zeit, um Nahrung zu finden, vorzubereiten und zu fressen.Zu seinem Nahrungsspektrum gehören:

  • Gras, Kräuter und Wasserpflanzen
  • Zwiebeln, Knollen, Wurzeln, Früchte und Blüten
  • Rinde, Äste, Blätter, Schoten und Samen.

Die Nahrung wird dabei teilweise aus großer Höhe gepflückt, vom Boden ausgelesen , aus dem Boden ausgegraben oder auch aus dem Wasser gezogen. Täglich werden dabei 60 und 240 kg Futter aufgenommen. In Gegenden mit kargem Nahrungsangebot müssen die Tiere zwischenzeitlich noch kilometerweit laufen. Aber auch bei üppig gedecktem Tisch suchen die Herden wegen bestimmter Pflanzen oder Früchte, entlegene Plätze auf. Zum Trinken von 100 Liter Wasser pro Tag werden fließende Gewässer aufgesucht aber auch tiefe Löcher gegraben.

Das einzige, was ein Zooelefant in der Vergangenheit nicht als Futter vorgesetzt bekommen hat, ist wahrscheinlich Fleisch. Gefüttert wurden er in der Vergangenheit fast wie ein landwirtschaftliches Nutztier. Die Verabreichung von hochwertige Futterpflanzen, Kraftfutter oder gar menschliche Nahrung, wie Brot oder Nudeln, waren keine Seltenheit. Sogar ein „Yes-Torty“ hat eine Elefantenkuh im Tierpark Hagenbeck vor meinen und denen des Pflegers schon verspeist. Der Pfleger hat es ihr sogar ausgepackt.

In Hagenbecks Tierpark hat man die Fütterung inzwischen umgestellt. Besucher dürfen nun nur noch Gemüse und Obst füttern. Trotz Schildern und ständiger Aufklärung durch die Pfleger, versuchten aber einige unbelehrbare Besucher auch weiter Brot oder Nudeln an den Elefanten zu bringen. Eigentlich waren es viele – ich hätte wahrscheinlich nicht so viel Geduld gezeigt, wie der Elefantenpfleger.

Leider werden aber in manch anderen Zoo bis heute noch Backwaren verfüttert. Dementsprechend „wenig“ durfte und darf dann gefüttert werden, denn auch Zooelefanten haben mit Übergewicht zu kämpfen. Im Jahr 2001 war unter der Überschrift „Aktive und passive Beschäftigung der Tiere zur Gewährleistung ihrer physischen und psychischen Gesundheit“ auf der Internetseite des Zoo Osnabrück zu lesen: „... Im Zoo aber brauchen die Tiere ihr Futter nicht zu suchen, und da wegen der besseren Qualität des Futters geringere Mengen aufgenommen werden müssen, besteht im Zoo die Gefahr von Langeweile und Unterbeschäftigung der Elefanten. ...“ Das Problem wurde also richtig erkannt, die angebotene Lösung aber berücksichtigt die Erkenntnissen über das Leben wilder Elefanten nur wenig. Denn weiter könnte man dort lesen: „Wir haben Beschäftigungsprogramme entwickelt, welche die Tiere gleichermaßen körperlich und geistig fordern. Wir unterscheiden zwischen aktiver und passiver Beschäftigung.“

Aktive Beschäftigung habe ich in Zoos schon reichlich gesehen, denn darunter versteht man das Training der Tiere für Maßnahme der Körperpflege und für veterinärmedizinische Behandlungen aber auch zur Einstudierung circusähnliche Vorführungen für die Besucher. Solche Trainingseinheiten sind aber selten länger als 20 bis 30 Minuten und können auch nur zwei bis dreimal pro Tag wiederholt werden. Darüber, wie man Elefanten aktiv beschäftigt, wurden Bücher geschrieben, werden Erfahrungen ausgetauscht und neue Generationen von Elefantenpflegern werden darin unterrichten. Anders ist es bei der passive Beschäftigung, der Elefantenfütterung, die auf der Internetseite des Zoo Osnabrück so beschrieben wurde:

- tagsüber erhalten die Tiere zwei bis drei kleinere Mahlzeiten (Heu oder Gras) die sie innerhalb einer Stunde verspeisen

- mindestens einmal täglich werden frische Äste gefüttert, mit denen Tiere mindestens zwei Stunden zu tun haben

- regelmäßig angebotenen Besucherfütterungen von ca. 30 Minuten (die Futtermenge wäre sonst in drei Minuten gefressen worden)

- dazu kommt die abendliche Fütterung mit Heu, Stroh, Gras, Gemüse, Obst und Brot, Brötchen (schätzungsweise zwei Stunden 30 Minuten)

Mit den hier beschriebenen Fütterungsmethoden gehörte der Zoo Osnabrück im Jahr 2001 zu den "fortschrittlichen" Zoos in Deutschland, auch wenn die Elefanten insgesamt dort nur acht statt 16 Stunden des Tages mit dem Fressen beschäftigt waren. Aber auch in Osnabrück finden die Besucherfütterungen nicht täglich statt. An den anderen Tagen wird den Elefanten das Futter vor die Füße geschüttet oder, wie im Zoo Dresden oder im Thüringer Zoopark Erfurt, in einer Plastikkiste serviert. Sie dürfen es dann im beisein der Pfleger vor den Augen der Besucher fressen. Schnell schlingen die Elefanten ihre Ration dann herunter. Die Elefantenkuh Aja (Thüringer Zoopark Erfurt) brauchte dazu wirklich nur ungefähr drei bis vier Minuten (Zeit mehrfach gestoppt). Berücksichtigt man noch maximal eine Stunden für Training und vier Stunden Schlaf, bleiben 11  und mehr Stunden Langeweile. Man sieht diese Tiere im Zoo dann:

weben.

Besucher nennen es meistens tanzen und geben dem sichtbaren Ausdruck einer Verhaltensstörung damit eine positive Note. Sie müssen es dann nicht mit den Schaukelbewegungen von Heimkinder, wie man sie manchmal in Berichten aus armen Ländern sieht, in Verbindung bringen.

Stereotype Bewegungen, wie man diese Bewegungen fachlich richtig nennt, sind ein Ausdruck sozialer Isolation. Einmal angewöhnt, werden diese Bewegungen unter bestimmten Umständen ein Leben lang immer wieder rausgeführt.

Artgenossen angreifen und verletzen oder

die eigene Anlage auf Elefantensicherheit überprüfen, indem sie z.B. Elektrokabel ausbuddeln, Wasserhähne ausdrehen, Gartenschläuche zerbeißen und weiteren teilweise teueren und gefährlichen "Unsinn" treiben.

Nachts werden die Tiere einzeln in Boxen gestellt oder gar an die Kette gelegt. Sie sollten ihre Futterration in Ruhe fressen können. In Ruhe fressen heißt aber auch, in nicht viel mehr als 2 Stunden die nächtliche Futterration aufgefressen zu haben.

Boxenhaltung in schon vor Jahrzehnten gebauten (nicht elfantensicheren) Elefantenhäusern ist ein notwendiges Übel. In einem erst 1999 eingeweihten Elefantenhaus, wie dem Afrikahaus in Dresden, aber Beweis einer völlige Fehlplanung. Das auch drei oder mehr Elefanten, wenn die Tiere sich als Gruppe vertragen, Tag und Nacht in Gruppen leben und gefüttert werden können, beweist die Haltung in mindestens vier Europäischen Zoos. Dazu gehört eigentlich auch der Zoo Osnabrück. Leider treten dort seit der Übernahme von Goni aus dem Zoo Rostock massive Probleme in der Gruppe auf. Trotzdem wird täglich eine Schaufütterung für die Besucher durchgeführt, bei der die Elefanten gemeinsam als Gruppe fressen sollen. Offensichtlich will Goni aber nur mit dem Jungbullen Tutume teilen und jagt alle anderen Elefanten von der Futterstelle weg, wobei es zu ernsthaften Auseinandersetzungen zwischen den Tieren kommt (siehe Zoos in Europa/Deutschland/Zoo Osnabrück und Beobachtungen/Zoo Osnabrück/21.06.2004). Leider war und ist(?) man in Osnabrück nicht bereit mehrere Futterstellen einzurichten und damit die Auseinandersetzungen abzuschwächen.

Noch im Jahr 2002 vertrat man unter anderem im Tierpark Berlin Friedrichsfelde und auch im Thüringer Zoopark Erfurt die Meinung, dass man afrikanische Elefanten in der Außenanlage nicht füttern kann, da sie futterneidisch wären. Dabei geht es eigentlich weniger um innen oder außen, sondern darum, ob die Tiere getrennt voneinander oder in der Gruppe gefüttert werden.

Das sich drei Elefantenkälber (Matibi, Tutume und Tana aus dem Tierpark Berlin am 17.08.2002) um einen halben Kürbis streiten, so geschehen, scheint mir nicht verwunderlich. Elefantenpfleger wundern sich offensichtlich darüber. Liebe Leute: Drei Elefanten brauchen eben drei oder mehr Halbe Kürbisse oder man muss dem Kampf ums Futter, wenn er nicht Ausmaße wie in Osnabrück annimmt, eben auch mal zusehen können (als Pfleger und als Besucher). Ist der eine Kürbis erst mal in Stücke zerbrochen, kann der einzelne Elefant nicht alle Teile bewachen. Spätestens dann bekommen die anderen Elefanten auch etwas ab. Und was erwarten wir eigentlich von Elefanten? Teile wir den Reichtum unserer Gesellschaft gerecht auf? Und was ist gerecht? Die Versuche eine "gerechte" Gesellschaft aufzubauen sind kläglich gescheitert. Für Elefanten fordert man aber noch heute "Gleichmacherei". Wollen hier die Besucher Harmonie sehen oder wollen die Zoos sie ihnen vorgaukeln? Bekommt nicht auch in Freiheit der ranghöchste Elefant die meisten und die besten Happen?

Seit einigen Jahren spricht man in der Zoowelt von Behavioral Enrichment (dt. Veraltensbereicherung). Bei Affen und Bären weit vorangeschritten, steckt die Verhaltensbereicherung für Elefanten immer noch in den "Babyschuhen". Verhaltensbereicherung bedeutet, den Tieren Angebote zu unterbreiten, mit denen sie sich so lange wie möglich beschäftigen können und auch beschäftigen wollen. Bei einem Elefantenbaby kann das unter Umständen ein Ball sein, der dann selbstvergessen stundenlang zu erdrücken versucht oder durchs Gehege gerollt wird. Für einem erwachsenen Elefanten kommt aber neben der Betreuung der Jungtiere als Verhaltensbereicherung aber nur die Beschäftigung mit Futter in Frage. Im Sommer 2003 nahm sich der Verband deutscher Zoodirektoren (VDZ) auf seiner Tagung in Leipzig des Themas Elefantenhaltung an. Was dort genau beraten wurde, ist leider nicht zu erfahren. Der Vorsitzende dieses Verbandes lehnt auch Gespräche mit Nichtfachleuten über diese Thema kategorisch ab. Da aber Elefanten immer noch öffentlich gezeigt werden, muss man die Ergebnisse ja sehen können. Sehen konnte ich seither nur eine Änderung: In weiteren Zoos wird den Elefanten nun auch über den Tag verteilt Futter angeboten. Webende Elefantenkühe mit Futter im Rüssel, z.B. im Zoologischen Garten Leipzig, beweisen aber, dass Berge von Futter allein nicht ausreichen. Warum webt Rani (Zoologischer Garten Leipzig) mit dem Ast im Rüssel und warum webte Aja (Thüringer Zoopark Erfurt), die eigentlich immer ca. die Hälfte der Beobachtungszeit webt, am 31.10.2002 in der Zeit von 12.45 und 15.30 Uhr in dem mit Herbstlaub übersätem Gehege nicht ein einziges Mal? Offensichtlich finden Elefantenpfleger und –manager auf diese Frage keine Antwort.

Wie intensiv man in den einzelnen Zoos nach dem Ausweg aus dem Zwiespalt von Übergewicht oder Langeweile sucht, ist schwer zu sagen. Die Elefantenfütterung ist aber nach wie vor ein einziges Dilemma. Wird wenig Futter zu festen Zeiten angeboten, führt das zu Futterneid und teilweise ernsthaften Auseinandersetzungen (siehe Beobachtungen – Zoo Osnabrück – 21.06.2004). Das Füttern größerer Mengen ist wegen dem gesundheitliche Risiko Übergewicht, auch keine Lösung. Also versucht man nach den Diätregel für die menschlichen Ernährung zu verfahren und mehr ballastreiche Nahrung, z.B. Äste, über den Tag verteilt zu füttern. Der Weg ist wohl richtig, nur interessiert sich so mancher Elefanten nicht für das Futter, das direkt vor den Füßen liegt. Und wieso meinte man eigentlich in Osnabrück noch in Jahr 2001, dass ein Elefant sein Futter nicht zu suchen braucht? Die Antwort kann eigentlich nur heißen: Weil es ihm keiner versteckt? Im Jahr 2003 müssten die Osnabrücker Elefanten an so manchem Tag das Futter suchen. Jeder Mauervorsprung, jedes Astloch, jede Baumgabel ja jede Ecke des Elefantenhauses konnte Futter enthalten Die Elefanten wussten das offenbar und suchten alles ab. Leider habe ich das verstreute Futter bei meinen letzten Besuchen nicht mehr gesehen, eigentlich schade. Noch andere Zoos zeigen einige Lösungen für das Problem Elefantenfütterung, die aber wahrscheinlich nur gemeinsam angewandt, Erfolg bringen:

Die Elefanten müssen in der Gruppe gefüttert werden

Im Thüringer Zoopark in Erfurt hat man bei der abendlichen Fütterung im Haus die Möglichkeit eine Gruppe, bestehend aus Safari, Csami und Seronga, und die einzeln in einer Box stehende Aja zu beobachten. Für die Gruppe werden drei Fressstellen eingerichtet. Sobald die Pfleger den Raum verlassen haben, wechseln die Tiere häufig ihre Standorte, um vom Futter des anderen zu fressen. Je nach Rang und Courage fressen dann zwei Tiere gemeinsam oder auch der andere wechselt den Standort. Das Fressen wird also immer wieder durch Standortwechsel unterbrochen. In der gleichen Zeit verschlingt Aja in ihrer Box ihr Futter. Die Futtereste bei Schließung des Elefantenhauses lassen für Aja eine lange Nacht ohne Futter vermuten. Und so geht es ihr täglich. Safari, Csami und Seronga hingegen, haben wesentlich länger zu fressen. Nahrungskonkurrent ausschalten ist gleichbedeutet mit einer wesentlich geringeren Fresszeit und wesentlich mehr Langeweile.

Im Augsburger Zoos bekam am 05.07.2003 jeder Elefanten sein Heupaket. Während er dann davon fraß, müsste er sein Futter gegen die anderen Tieren "verteidigen". Näherde sich ein anderer Elefant, hieß es also mindestens mit seinem Futter den Standort zu wechseln.

Gruppenfütterungen ohne Einschränkungen, also auch nachts, gibt es im Rotterdam, Emmen, Amsterdam, Osnabrück und Münster.

Die gemeinsame Fütterung von Teilgruppen erfolgt in Basel (nur im Winter nachts im Haus, sonst eine Gruppe), in Zürich (in der Außenanlage eine Gruppe; im Haus eine Gruppe und seit 2003 ein Einzeltier - Ceyla Himali) und seit 2003 im Zoo Berlin (zwei Teilgruppen).Gibt es während einer solchen Gruppenfütterung ernsthafte Auseinandersetzungen zwischen den Tieren, ist das separate Füttern dieser Tiere auf Dauer keine Lösung. Die Gruppe muss getrennt werden. Die Isolation von Einzeltieren kann nur eine Maßnahme für kurze Zeit sein. Es ist kein akzeptabler Zustand, wenn die Elefantenkuh Aja im Thüringer Zoopark Erfurt seit Sommer 1998, also seit mehr als 6 Jahren bis zu 20 bis 22 Stunden täglich von den anderen Tieren getrennt, aber immer noch in diesem Zoo lebt.

Elefanten müssen über den Tag verteilt zu unregelmäßigen Zeiten an wechselnden Stellen gefüttert werden.

Ein Futterautomat, geplant und gebaut von Schülern einer höheren technischen Lehranstalt in Wien, sollte im Tiergarten Wien Schönbrunn nachts zu unterschiedlichen Zeiten Gemüsestücke und Heuballen ins Kuhgehege befördern. Eine Abbildung in einem Sonderdruck des Schönbrunner Tiergarten-Journals zu diesem Thema zeigte einen unter dem Apparat einen wartenden Elefanten. Und so war es dann auch wirklich. Schon nach kurzer Zeit müsste man einschätzen, dass das Futter mehrheitlich von der Leitkuh Tonga gefressen wurde. Um alle Tiere zu beschäftigen, hätte es also vier und mehr solche Automaten bedurft oder der eine hätte im Bullenhaus aufgestellt werden müssen. Für Pambo wäre es eine Abwechslung gewesen. Leider wurde der Standort damals trotzdem nicht geändert. Mir ist mir auch nicht bekannt, ob der Futterautomat heute noch in Betrieb ist.

Für unregelmäßige Fütterungszeiten muss man auch nicht unbedingt eine High Tech - Lösung, wie im Tiergarten Wien Schönbrunn, einsetzen.

Erfordert die Fütterung zu unterschiedlichen Zeiten aber wirklich der Einsatz von Computertechnik, die in einem staubigem Elefantenhaus ohnehin nicht die besten Betriebsbedingungen vorfindet?

Ein Wochenplan der Elefantenpfleger, wann welche Futterstelle gefüllt wird und welche leer bleibt, tut es doch eigentlich auch. Bleistift und Papier oder aber ein normaler PC reichen dazu vollkommen aus. Ein sich ständig ändernder Plan sollte aber unbedingt angefertigt werden, um das Abrutschen in die Routine zu vermeiden.

Wie es die Natur auch täglich von ihnen fordert, sollten sich auch Zooelefanten ihr Futter erarbeiten.

Erarbeiten bedeutet hier aber auf keinem Fall, durch Besucherbelustigungen a la Circus das Geld für das Futter heranzuschaffen. Es bedeutet, mit der Futteraufnahme so lange wie möglich beschäftigt zu sein, also z.B. das Futter zu suchen oder es auszugraben:

Im Zoo Amersfoort hat man auch für einzeln stehende Elefanten eine einfache Möglichkeit gefunden, die Futteraufnahme etwas zu verlängern. In der Box der Elefantenkuh Chit Mi Mi befindet sich ein Futterbehälter, aus der sie das Heu nur in kleinen Portionen entnehmen kann. Nach Auskunft des Elefantenpflegers hat allein diese Box dafür gesorgt, das Chit Mi Mi weniger stereotype Bewegungen ausführt.

Eine andere einfache Sache ist das Suchen von verstecktem Futter. Wie viel Arbeit man sich damit machen kann, zeigt Osnabrück, wo im Haus neben Gemüse und Ost in den riesigen Baumstämmen und in allen Ecken des Hauses sogar einzelne Erdnüsse auf dem Brett des Fensters zur Besucheranlage aufgereiht waren. Die Tiere hatten das Futter zwar relativ schnell gefunden, suchten dann aber immer weiter. Und sogar da, wo vorher schon zwei andere Tiere den Rüssel rein gesteckt hatten, hat ein dritter noch mal gesucht. Man kann ja nie wissen, ob der andere nicht etwas übersehen hat. An nächsten Abend haben sie wieder, aber diesmal vergebens, alle Ecken nach Futter abgesucht. Sie waren aber wieder eine Zeit damit beschäftigt, auch wenn an diesem Tag überhaupt nichts versteckt wurde.

Bevor die Emmener Elefantengruppe in die Außenanlage kommt, wird Obst, Gemüse, Erdnüsse und anderes Futter zwischen den Steinen versteckt und in der ganzen Anlage verstreut. Noch gegen 17.30 Uhr finden die Tiere noch Reste des vor 10.00 Uhr verstecken Futters.

Im Zoo Zürich findet man in der Decke über dem Gang hinter den Boxen ein mit einem Gitter versehenes ca. 1 x 1 m großes Loch in der Decke, aus dem sich die Elefanten Heu ziehen können.

Als im Bergzoo Halle noch Elefanten gehalten wurden, lag in einer Ecke des Geheges jede Menge Stangenholz. Mehrmals täglich wurden Möhrenscheiben darüber ausgeschüttet. Das Holz müsste von den Elefanten erst weggeschoben werden, um an die Möhren zu kommen. Genauso könnte man Gemüse unter lockeren Sand mischen.

Seit einiger Zeit liegen in der Außenanlage des Diergaarde Blijdorp (Zoo Rotterdam) zwei Abwasserrohrteile. Im Jahr 2004 waren die Enden durch Metallplatten (an einer Seite mit Tür) verschlossen und in die Längsseiten einige Löcher gebohrt, durch die gerade ein Rüssel passte. In den Rohren war offensichtlich Heu, wobei über den Tag nichts nachgelegt wurde. Bis zum Einlass ins Elefantenhaus am Abend haben die Tiere daraus gefressen. 

Vor einigen Jahren hin in Rotterdam ein Fass zwischen zwei Bäumen. Die Funktion dieser Konstruktion wurde leider nie vorgeführt. Bei den Giraffen sieht man überall diese hoch hängenden Futtergefäße. Wieso eigentlich nicht bei Elefanten?

Schon im Jahr 2001 wurde in den Sommermonaten im Zoo Basel mehrmals täglich Futter in kleinen Mengen in der Außenanlage verstreut, in Deutschland beginnt man langsam damit.


Im Laufe des Tages werden Dierenpark Emmen zu verschiednen Zeiten mit Ost, Gemüse und Heu gefüllte Papiersäcke über den Graben geschmissen. Hier gibt es für die Elefanten einiges zu tun: Zuerst muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, um den Sack zu bekommen. Dann muss man ihn gegen die anderen verteidigen und nebenbei den Sack aufreisen, um an den Inhalt zu gelangen. Dabei fallen die Obst- oder Gemüsestücke raus. Nun frist man entweder das Gemüse und ist den Sack samt Gras wieder los oder man überläst das Gemüse den andere und frist das Gras. Für die rangniederen Tier bleibt zumeist nur der Papiersack übrig. In den Sommermonaten fliegt auch mal ein Eisblock mit der Form eines Eimers über den Graben. Dazu wurde einfach Obst, Gemüse und Wasser in einem Eimer eingefroren.

Das Rennen um über den Graben geworfenes Futter ist aber auch gefährlich, da es dabei schon heftige Rangeleien zwischen den Tieren gibt. Als Monalor Oo, Ma Palai und Ma Yay Yee im Kampf um ein langes Weißbrot auf den Grabenrand zugestürmt kamen, könnte ich für sie und für mich nur hoffen, dass sie rechtszeitig stoppen. Glücklicherweise hatte jemand das Brot gefressen, bevor sie den Graben erreichten.

Im Dierenpark Amersfoort wurden Hügel zusammengeschoben, aus denen Baumstämmen und Wurzel ragen, die dann von den Elefanten durchwühlt und damit wieder plattgewalzt wurden.

Auch die Elefanten selber führen gelegentlich mögliche "Fütterungsanlagen" vor:

Der Elefantenbulle Victor (Zoo Berlin) stand bei einem meiner Besuche an seinem Badebecken und sammelte Grashalme aus dem Wasser. Liegt das Gras auf dem Boden, kann man es mit einem Rüsselschub zusammenkehren und als Bündel ins Maul schieben. Auf der Wasseroberfläche hingegen, kann man nur kleine Bündel greifen, muss sie ausdrücken und kann sie erst dann fressen. Er hatte das Gras aber offensichtlich selber hineingeworfen.

Die Elefantenkuh Aja habe ich am 31. Oktober 2001 zwischen 12.45 und 15.30 Uhr nicht einmal weben sehen, obwohl sie sonst bei jeder Besuch bestimmt die Hälfte der Beobachtungszeit tat. Die Ursache: Sie war mit dem Aufsammeln der Blätter beschäftigt, die der Herbstwind immer wieder ins Gehege trieb.

In Dresden klettern die jungen Elefanten schon seit Jahren an den Steinen vor dem Elefantenhaus hoch, um von den Bambusstangen zu fressen, die auf einem Mauervorsprung am Haus wachsen. In Köln verspeiste Thi Ha Phyu immer wieder Teile der Bepflanzung zwischen Elefantenanlage und Besucherweg, die sie mit ihrem Rüssel erreichen konnte. Als Elefantenfutter war beides wohl eigentlich nicht gedacht. Was spricht aber dagegen, schnellwachsende Futterpflanzen in den den dortigen Gefäßen angepasste Kästen heranzuziehen und dann die Futterpflanzen samt Erde in diese Gefäße zu bringen. Eine andere Möglichkeit wäre es, Wurzelgemüse, z.B. Möhren, wieder in Erde zu bringen, trocknen zu lassen, dann in dafür vorgesehene Öffnungen in der Elefantenanlage zu bringen und die Elefanten diese Möhren dann wieder ausgraben zu lassen.

Futterstellen müssen so weit wie möglich auseinander liegen

Besonders, wenn einzelne Tiere den anderen das Futter streitig machen, werden für diese Gruppenfütterungen mehr und weit auseinander liegende Futterplätze benötigt als Teilgruppen oder auch Elefanten vorhanden sind. Und liegt an den Lieblingsfutterstellen der dominanten Tiere das wenigste Futter, können diese dann durchaus an anderen Futterstellen ohne weiteres mitfressen.

Zwischen den Futterstellen sollten Mindestabstand von zwei Rüssellängen liegen, sodass kein Elefant mehrere Futterstellen aus einmal verteidigen kann.

Liegen zwischen den Futterstellen möglichst lange Wege, kommt neben der Beschäftigung auch als weiterer positiver Nebeneffekt die Laufstrecke hinzu, die die Tiere dabei täglich zurücklegen.. Die ovale Form der Außenanlage des Elefantenparks in Wien mit dem Fressplatz für Gras am Haus, dem Fressplätze für Äste an den Betonsäulen so am anderen Ende der Außenanlage ist deshalb eigentlich einer kreisrunden vorzuziehen.

Oder versuchen Sie mal Htoo Yin Aye und ihrer Familie (Dierenpark Emmen) einen Tag zu folgen. Vermutlich auf der Suche nach der nächsten Futterstelle hat die Familie unzählige Male die Anlage durchquert.

Außerdem sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, den Tieren immer die ganze Anlage zur Verfügung zu stellen. Leider ist das z.B. in Münster nicht immer der Fall. Der sich an den Bullenkral anschließende Gehegeteil, in den früher mal Bernardine, Kanaudi und Ratna untergebracht waren, steht oft leer.

Und warum sind eigentlich die Tore zu den Elefantenhäusern in den meisten Zoos tagsüber und auch nachts geschlossen? Im Zoo Basel werden sie nur zum säubern der Boxen und zum auslegen von neuem Futter geschlossen. So sollte es überall sein. Auch Nachts könnten die Tore während des Sommers, wie z.B. in Wien oder Basel, überall offen sein. Aus dem Zoo Leipzig habe ich zwar von Pflegern gehört, dass dort auch so verfahren wird, gesehen habe ich es aber noch nie.

Am Tag nach der Eröffnung des neuen Elefantenparks in Köln wurde das gesamte Futter für die Nacht in einer der beiden Boxen abgelegt. Mir fällt für diese Anordnung des Futters kein sinnvoller Grund ein, es sei denn, man wollte die Boxentüren nach Schließung des Hauses auch schließen. Für die Pfleger wäre das am nächsten Tag wohl weniger Reinigungsaufwand, für die Elefanten aber weniger Bewegungsfreiheit, weniger Pausen während des Fressens und damit kürzerer Fresszeiten.

Haben Elefanten einen Lieblingsplatz zum Fressen, sollte das Futter auch nie dort ablegen werden. Wollen die Elefanten es dort haben, können sie es doch selber dorthin tragen.

Futterstücke müssen entweder riesig oder winzig, auf alle Fälle nicht mundgerecht sein

In Münster wird das Futter für die Besucherfütterungen schon seit Jahren klein geschnitten. Auch in Köln nehmen sich die Elefantenpfleger viel Zeit für die Zerkleinerung von Obst und Gemüse. Im Emmener Elefantenhaus und auch in der Außenanlage lagen sogar schon hauchdünne Apfelscheiben. Ein sicher hoher Arbeitsaufwand, der aber die Zeit der Futterausnahme weiter verlängert.

In Erfurt hingegen werden immer noch Möhren mit einer Länge von mehr als 20 cm im ganzen verfüttert, während man die Möhren im Bergzoo Halle schon vor Jahren in Scheiden geschnitten hat.

In Wien führ im Jahr 2001 ein LKW mit Hebearm vor und entlud einen Hänger voll teilweise riesiger Ästen, die vor der Anlage abgelegt wurden. Die Tiere müssten diese Äste zuerst in die Außenanlage ziehen.

Herauszufinden, was bei welchem Elefanten gut oder nicht so gut ankommt wäre Stoff für Beobachtungen der nächsten Generationen von Zoologiestudenten. Leider ist das aber für sie kein echtes Thema. Der Grund dafür ist einfach aber logisch. Will man wirklich beobachten, was das Tier gern tut und womit es sich wirklich beschäftigt, muss das Tier ungestört durch den Menschen hantieren können. Bei den Elefanten behindert aber die häufige Anwesenheit der Pfleger im Gehege diese Beobachtungen. Das könnte man aber leicht ändern. Was gibt es denn für einen Grund, das noch heute rund um die Uhr ein oder sogar mehrere Elefantenpfleger in der Elefantenaußenanlage des Tierparks Hagenbeck stehen? Eigentlich keinen!!!

 
     
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